Die Idee zur Gründung des Menschensinfonieorchesters hatte der Profimusiker
Alessandro Palmitessa im Jahr 1999. Zusammen mit Hans Mörtter, dem
Pfarrer der evangelischen Lutherkirche in der Südstadt wurde diese Idee weiter gesponnen und entwickelt..

So wurde das Menschensinfonieorchester "geboren"
Niemand hätte damit gerechnet, dass dieses Orchester aus obdachlosen
und nicht-obdachlosen Musikern, das Palmitessa gründete, einen solchen
Erfolg erleben würde. Dass bei der ersten CD, die die Gruppe produzierte,
Helmut Zerlett oder Markus Stockhausen gern als Gast-Musiker auftreten
würden, große, überregionale Medien sich für das Projekt interessierten
und Anfragen für Auftritte der Gruppe gar aus Tschechien einlaufen
würden. Und doch: Genauso war es. Mehr noch: Jetzt hat dieses bundesweit
einmalige Orchester die zweite CD aufgenommen – ein perfektes Weihnachtsgeschenk
(für 15 Euro zu beziehen unter Telefon 0221/376 29 90 oder hier).
Das Orchester hat sich übrigens den Namen „Menschensinfonieorchester“,
kurz MSO gegeben.
Präsentation der zweiten CD über den Dächern von Köln
„Dat war geil“, sagt einer der Musiker, von Mörtter nach der CD-Produktion
gefragt und lässt offensichtlich glücklich den Blick über Kölns beleuchtete
Dächer schweifen. Denn die Präsentation der zweiten CD des Menschensinfonieorchesters,
unterstützt von Sönke Wortmann, Jean Pütz und anderen Kölner „Promis“,
findet im Dachgeschoss des Weltstadthauses (oder Peek und Cloppenburg)
neben der Antonitercitykirche – die den Kontakt auch vermittelt hat – statt. „Ein besonderer Ort
für ein besonderes Orchester, das eine besondere Musik spielt“, findet
auch Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, die neben Andreas Hupke,
dem Bezirksvorsteher im Kölner Stadtbezirk Innenstadt betont, wie
stolz die Stadt Köln auf ein solches Projekt sein kann.

Besondere Musik?
In der Tat. Fünf verschiedene Percussionisten geben der Musik
ihren besonderen Rhythmus, zwei Querflöten, ein Keyboard, Posaune,
Saxofon, Trompete, Gitarre Sitar und ein selbst gebauter Bass – und
all das gespielt von Menschen unterschiedlichster Nationalität, in
unterschiedlichen Lebenssituationen, vom Obdachlosen bis zum Profimusiker.
Sängerinnen und Sänger wechseln sich ab, viele Titel haben die Band-Mitglieder
selbst komponiert. Und eins ist klar: Das ist keine "Assi"-Musik,
das ist hoch professionell. Dafür bürgt bei der neuen CD nicht nur
- wei immer - Alessandro Palmitessa mit seinem Saxofon, nein: Auch
dem prominenten Gastmusiker merkt man an, dass er enormen Spaß an
der professionellen Spielfreude all dieser Menschen auf der Bühne
hat.

Und der ist in Köln wahrlich kein Unbekannter: Stephan Brings heißt
er - und wenn er mit auf der Bühne steht, klingt das, als sei es nie
anders gewesen. Profimusiker ist ja auch Klaus von Wrochem, der mit
seiner Geige die Band ebenfalls von Anfang an begleitet.
"Gute Musik, fantastische Musik!"
Aus diesem scheinbar unmöglichen Projekt „Menschensinfonieorchester“
ist eine Erfolgsgeschichte geworden, über die Band-Leiter Palmitessa
noch immer ganz erstaunt ist: „Dass wir heute hier – fast im Himmel
– sind, ist wirklich ein Wunder. Das konnte nur ein Pastor bewirken“,
sagte er mit Blick in die Glaskuppel des Weltstadthauses. Der „Pastor“
sieht das alles weitaus pragmatischer: Er will nichts mehr hören von
dieser „Obdachlosenkiste“ – und meint damit eine „Schublade“, in die
das Orchester immer wieder „gesteckt“ werde. Nein. „Das ist gute Musik,
fantastische Musik“, ruft er aus. Und: „Nur darum geht es!“

Swing plus Tarantella plus HipHop
Palmitessa stimmt zu: Das Orchester existiere nur, weil sein
Publikum offen genug war, eben dieses Schubladendenken hinter sich
zu lassen. Diese Aussagen werden beispielsweise mit einem Titel wie
dem von Christiane - der Trompeterin im Orchester - komponierten Lied
über die Zwiebeln, „ganz gemeines Pack“, vor allem, wenn man sie schneiden
muss, unter Beweis gestellt: Musikalische Definition dieses Liedes,
das die Komponistin übrigens auch noch selbst virtuos auf kölsch und
englisch singt: „Swing plus Tarantella plus HipHop“.

Oder das persische Lied, das beim Live-Auftritt sanft über Kölns Dächern
zu schweben schien: Nur eine menschliche Stimme, Percussion und ein
Saxofon. Das ist Musik zum Träumen.
Es geht um Musik. Und es geht um Menschen.
Mörtter und Palmitessa erinnern zum Beispiel an Dirk und
Uwe, Gründungsmitglieder der Band. Beide machten „Platte“. Und beide
sind tot. Einer von ihnen starb, „klassisch“, wie Mörtter erzählt:
Er wollte einen Entzug machen und sich vorher „noch mal was gönnen“.
Aber er war arm. Und Arme „bekommen nur den schlechtesten Stoff.“
Da krepiert einer dann schneller als jemand, der sich „das teure Zeug
leisten kann.“ Für alle ist klar „Dirk und Uwe reisen mit uns.“
Reisen, das ist im mehrfachen Sinn zu verstehen: Die Reisen des Orchesters
zu Gastauftritten – zuletzt etwa nach Bottrop, das Reisen durch die
Musikstile auf der wirklich hörenswerten CD. Und das Reisen in Gedanken
und Räumen, zwischen Armut und Geld, zwischen Spaß und Ernst, zwischen
den Musikstilen – und immer nur von einem bestimmt: Vom Spaß an der
Musik.
Die neue CD - kein schlechtes Weihnachtsgeshenk...
Sie heißt „Tanz mit mir - balla con me“,
und kann hier auch im Internet bestellt werden. Hören Sie sie sich an, verschenken
Sie die CD, nicht nur zu Weihnachten.... Für 15 Euro zu beziehen unter
Telefon 0221/376 29 90. Und übrigens: Man kann die Band auch jederzeit
buchen, mehr dazu hier.

Und noch ein Tipp: Die Musiker des Menschensinfonieorchesters spielen
auch immer mal wieder beim kostenlosen Kölner
Obdachlosenfrühstück im Vringstreff.





